Workshop

Workshop der AG Filmwissenschaft

Seit 2016 veranstaltet die AG Filmwissenschaft einmal jährlich einen Workshop zu verschiedenen aktuellen Themen an unterschiedlichen Standorten. Hier finden Sie Informationen über aktuelle Calls und vergangene Workshops.

 

5. Workshop: Einen Unterschied machen – Differenz und Differenzen in der Filmwissenschaft

***verschoben auf 2021***

Freie Universität Berlin, 11. Juni 2021 ***online***

Der Workshop möchte die Produktion von Differenzen im Film und den produktiven Umgang mit ihnen in der filmwissenschaftlichen Praxis in den Blick nehmen. Gedacht ist an Erkundungen von Differenz, die thematisch und/oder methodisch angelegt sind oder auch das Verhältnis von Einzeldifferenzen zueinander fokussieren. Welche politischen Implikationen hat eine epistemologische Auseinandersetzung mit Kategorisierungen von Differenz? Inwiefern steht sie einer diskursiven Konjunktur entgegen, die eher die Auflösung von Differenzen impliziert bzw. propagiert? Worin besteht ein möglicher Gewinn gerade für die Filmwissenschaft? „Differenzen“ im Sinne von Meinungsverschiedenheiten schließlich können auch eine produktive Folie für eine Auseinandersetzung im Rahmen des Workshops bilden. Vorgesehen sind Kurzvorträge und Statements (von max. 20 Min.), die zur Diskussion und Kritik einladen.

Es werden die bereits für 2020 eingereichten und angenommenen Beiträge präsentiert.

+++Das Programm folgt+++

 

 

4. Workshop: Methodenfragen in der Filmwissenschaft

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, 03.05.2019

Kristin Thompson hat in ihrem vielzitierten Aufriss der neoformalistischen Filmanalyse (deutsch in Montage AV 4,1, 1995) geschrieben, der Neoformalismus sei keine Methode (method), sondern ein Ansatz (approach), der sich verschiedener Methoden bediene. Ist ihre Aussage zutreffend? Und lässt sich dies fur die Filmwissenschaft insgesamt konstatieren? Tatsächlich versammelt das Fach verschiedenste historiografische und theoretische Ansätze, die sie anderen Disziplinen entlehnt oder im Austausch mit diesen ent- wickelt hat. Aber verfügt die Filmwissenschaft über ein ausgewiesenes, fest umrissenes Methodenrepertoire? Die Abneigung gegenüber „kontrollierten“ Methoden scheint zur disziplinären Selbstbehauptung gegenüber der sozialwissenschaftlich geprägten Kommunikationswissenschaft zu gehören, über deren „Positivismus“, „Empirismus“ und „methodischen Rigorismus“ kulturwissenschaftlich orientierte Film- und Medienwissenschaftler sich gerne mokieren. Beugen wir uns, wenn wir der Forderung nach methodischer Kontrolle nachkommen, wie sie von Förderinstitutionen wie der DFG allent- halben erhoben werden, wissenschaftlichen Prozeduren, die uns unangemessen gegenüber ästhetischen Gegenständen scheinen?

Bei diesem Arbeitstreffen mit Workshop-Charakter liegt der Fokus weniger auf ausgearbeiteten Vorträgen, sondern auf kurzen Thesenpapieren, Problemaufrissen, Präsentationen und gerne auch Provokationen, auf deren Grundlage wir dann in Form eines Roundtables gemeinsam diskutieren können.

Zum vollständigen Call: Workshop AG Filmwissenschaft_Methoden

Das Protokoll des Workshops kann hier heruntergeladen werden: Protokoll_Workshop_AG_FiWi

Programm

Freitag, 3. Mai 2019, 10-17 Uhr

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Institut für Sprach-, Medien- und Musikwissenschaft, Abteilung Medienwissenschaft
Veranstaltungsort: Lennéstraße 6, Raum 4.001

Teil I (10:00–12:45): Digitale Werkzeuge und Methoden
mit einer kurzen Einleitung der Veranstalter und Impulsen von
Till Heilmann: Die unstete Methodik der Medienwissenschaft
Jan-Hendrik Bakels/Matthias Grotkopp/Thomas Scherer/Jasper Stratil: Digitale Tools zur Videoannotation und Filmanalyse
Barbara Flückiger: VIAN, visuelle Filmanalyse mit digitalen Tools
Johannes Pause/Niels-Oliver Walkowski: Das Digitale ist keine Methode! Für eine Methodologisierung des Digitalen

Mittagspause, 12:45–13:45

Teil II (13:45–16:00): Reflexion methodischer Praxen
mit Impulsen von
Sarah-Mai Dang: Forschungsdatenmanagement in der (digitalen) Filmwissenschaft
Jeanpaul Goergen: Chroniken und Timelines in der Filmhistoriografie
Laura Mücke: Verhältnis von Semiopragmatik und Filmphänomenologie
Florian Krautkrämer: Kreative Praxis als Methode für die Filmwissenschaft?

16:00–17:00: AG Filmwissenschaft: Infos und Planung kommender Aktivitäten

 

 

3. Workshop: Alltag im Film – Alltag mit Film

Friedrich-Schiller-Universität Jena, 25.05.2018

Medien-, Kultur- und Sozialwissenschaften sind haufig implizit oder explizit von Fragen nach Alltag und Alltäglichkeit gepragt: gleichformige Ablaufe, Routinen, Rhythmen, Wiederholung und Serialitat formen Erwerbsarbeit, die ‚Arbeit‘ in sozialen Medien, Produktion und Asthetik von Kunst. Mit der Frage nach der Inszenierung von Alltaglichkeit, sind zudem zwei grundlegende geistesgeschichtliche Strömungen der Moderne verbunden: Ideologiekritik und ästhetische Theorie. Erstere versteht die Inszenierung von Alltäglichkeit in Medien und Kunst als Teil einer Verschleierung und Verkennung tatsächlicher Alltagserfahrung.  Für letztere sind es insbesondere die modernen Künste, die der spezifischen Zeit- und Räumlichkeit des Alltäglichen einen poetischen Ausdruck verleihen, sie als wahrnehmbare Form hergestellt haben. Dass darin auch eine Kritik bestehender Ordnung, ein poetischer Einspruch politischer Dimension liegen kann, ist nur eine der Fragestellungen, die man über eine Beschäftigung mit der filmischen und medialen Inszenierung von Alltag verfolgen kann. Weitere Fragen fokussieren beispielsweise die Verschränkung von filmischen Formen und Alltagspraxen, das Alltägliche im Besonderen und vice versa, die Inszenierungsweisen unterschiedlicher filmischer/medialer Formen, die Beschäftigung mit den Rezeptionsgewohnheiten, sowie eine (Neu-)Perspektivierung von Begriffen wie Erfahrung, Authentizität, Realismus, Langeweile, Routine, Zeit, etc.
Ziel des kommenden Workshops der AG Filmwissenschaft ist, durch Beschäftigung mit Alltag in und mit Film bzw. Medien in ästhetischer, politischer, historischer und (film)theoretischer Hinsicht neue Perspektiven aufzuwerfen und aktuelle Fragestellungen zu schärfen und zu diskutieren.

Programm:

11.15 Begrüßung: Bernhard Groß (Jena)
11.30 KeynoteFriedrich Balke (Bochum): Was heißt: das Gewebe des täglichen Lebens entfalten?
Monumente des Alltäglichen in Literatur und Film
12.30 Kaffeepause
12.45 Block 1: Alltag / Indikatoren und Figuren (Leitung: Heike Klippel)
Guido Kirsten (Mainz): Die Küchenszene als politischer Signifikant des Alltags
Bettina Henzler (Bremen): Kinder als Figuren des Alltags. Zur Gegenwärtigkeit im Geschichtsfilm:
LA MAISON DES BOIS von Maurice Pialat
13.45 Mittagspause
14.45 Block 2: Alltag / Arbeit (Leitung: Chris Wahl)
Heike Klippel (Braunschweig): Putzen im Film
Christoph Büttner (Bayreuth): Zwischen Arbeitsalltag und Großerzählung.
Ansatzpunkte filmischer Repräsentationen von Arbeit
15.45 Kaffeepause
16.00 Block 3: Alltag / Dok (Leitung: Valerie Dirk)
Ursula von Keitz (Potsdam): Mysterien des Haushalts.
Arbeitsökonomie als weiblicher Lehrplan im deutschen Kurzfilm der 1950er Jahre
Marian Petraitis (Zürich): Alltag und Langzeitdokumentarfilm
17.00 Kaffeepause
17.15 AG-Themen
Heike Klippel (Braunschweig) & Florian Krautkrämer (Mainz)
19:30 Gemeinsames Abendessen

Organisation: Bernhard Groß (Jena) / Valerie Dirk (Wien) / Robin K. Saalfeld (Jena)

 

 

2. Workshop: New Filmhistory – und dann?

Philipps-Universität Marburg, 19.05.2017

Seit der legendären Konferenz in Brighton 1979 und der Herausbildung einer neuen Filmhistoriographie in den 1980er Jahren wird der Begriff der „new film history“ fast schon routinemäßig evoziert. Selbstverständlich ist prinzipiell nichts gegen Wissenschaftlichkeit, Faktenorientierung und Revisionismus einzuwenden; es scheint aber doch an der Zeit, die Neuerungen der letzten Jahre gezielter in den Blick zu nehmen als es der Oberbegriff zu tun vermag. Welche Bedeutung haben „new cinema history“ und die Erforschung des „non-theatrical field“, das Interesse am Industrie- und Amateurfilm wie auch das potenzielle Aufgehen einer Filmgeschichte in einer erweiterten Medienarchäologie. Auch weitere Themen wie die Möglichkeiten einer „affective history“, die Erwartungen an „big data“ und die „digital humanities“ können – und sollen – dabei zur Sprache kommen.

Der Workshop der AG soll eine Bestandsaufnahme der Situation wie einen Ausblick auf die weitere Entwicklung bieten. Es geht darum, uns über Methoden und Ergebnisse auszutauschen, Erfahrungen zu diskutieren sowie Chancen und Risiken der Entwicklung abzuwägen. Das Thema soll dabei möglichst breit angegangen werden: Es soll dabei ebenso um Aspekte der Lehre wie um die Veränderungen der Methoden, aber auch um die Implikationen der Digitalisierung für die Datenerhebung und für die Publikation von Ergebnissen gehen.

11.15 Begrüßung: Malte Hagener (Marburg) & Yvonne Zimmermann (Marburg)

11.30 KeynoteFrancesco Pitassio (Udine): Edgar Morin, UNESCO, and the Birth of Filmology

12.45 Block 1: Film und/als Geschichte (chair: tba)

Franziska Heller (Zürich): Die Konstruktion von Filmgeschichte im Zeichen der Digitalisierung und die Relativität medienhistorischer Erfahrungsbildung

Bernhard Groß (Wien): Historizität der Wahrnehmung

14.45 Block 2: Digitale Methoden (chair: Skadi Loist, Rostock)

Adelheid Heftberger (Potsdam) / Niels-Oliver Walkowski (Berlin): Data-Driven New Film History

Imme Klages (Mainz) / Alexandra Schneider (Mainz): Digitale Methoden in der Filmgeschichtsschreibung? Ein Werkstattbericht

16.00 Block 3: Filmkultur (chair: Daniel Wiegand, Stockholm)

Fernando Ramos Arenas (Leipzig): Komparative Ansätze einer Geschichte der Filmkultur

Florian Krautkrämer (Braunschweig/Mainz): Wie und warum über Filmförderung sprechen?

17.15 AG-Themen

ORT: Philipps-Universität Marburg, Institut für Veranstaltungsraum im Deutscher Sprachatlas, Pilgrimstein 16

 

 

1. Workshop: Der Video-Essay im Kontext wissenschaftlichen Arbeitens

HBK Braunschweig, 27.05.2016 

Unter dem Begriff “Video-Essays” versteht man im Allgemeinen eine Form der Filmanalyse, die nicht mehr allein den geschriebenen Text verwendet, sondern mit den Bildern des zu analysierenden Gegenstandes das Ergebnis formuliert.

Nachfolgenden finden Sie die Abstracts der Vorträge, die kompletten Fassungen können hier als pdf heruntergeladen werden: Workshop

Volker Pantenburg: Zur Historisierung des Video Essays

Die aktuellen Diskussionen über den „Video-Essay“ erwecken oft den Anschein, das Phänomen sei aus der Begegnung von sozialen Netzwerken, erschwinglicher Schnittsoftware und populären Plattformen wie YouTube oder vimeo entstanden. Wenn eine historische Herleitung erfolgt, so werden meist entweder essayistische Film- und Videopraktiken à la Chris Marker und Jean-Luc Godard oder Found Footage-Montagen aus der Experimentalfilmgeschichte bemüht.

Demgegenüber soll mein kurzer Impuls zeigen, dass gerade an den Rändern der Filmgeschichte, außerhalb der kanonisierten Bezirke der Kunst und in Zusammenhängen, die lange vor Internet und social media existierten (etwa in Fernsehredaktionen oder filmpädagogischen Initiativen) bereits seit Jahrzehnten wichtige Vermittlungs- und Reflexionsarbeit geleistet wurde. Die videographic film studies haben eine Vorgeschichte, die sich nicht nur als Institutionen- oder Mediengeschichte erzählen lässt, sondern auch als Geschichte der Kommentierungspraktiken oder Montagetechniken. Die Betonung der künstlerischen und experimentellen Hintergründe des Genres verengt den Blick unnötig. Es gab und gibt viel zu entdecken. 

Chris Wahl: Richard Misek, der erste peer-reviewed video essay und die Zukunft des Formats

Der wahrscheinlich erste Video-Essay, der jemals in einem peer-reviewed journal veröffentlicht wurde, war Mapping Rohmer von Richard Misek, erschienen 2012 in einem von Catherine Grant herausgegebenen Special Issue von Frameshttp://framescinemajournal.com/article/mapping-rohmer-a-video-essay/

Misek arbeitete weiter an dem Essay, der sich 2013 zu dem ca. einstündigen Film Rohmer in Paris entwickelt hatte und auf mehreren internationalen Festivals zu sehen war. Auf der Basis eines Interviews, das ich mit Richard Misek geführt habe, möchte ich ihn und seine Arbeit vorstellen sowie ein paar allgemeine Gedanken zum Thema Video-Essay entwickeln.

Winfried Pauleit: Transformationen der Wissenschaftskultur: Ästhetisierung, Mediatisierung, Diversifizierung

Ausgangspunkt der folgenden Überlegungen ist es, spezifische zeitgenössische Transformationen in der Wissenschaftskultur zu beschreiben. Diese zeigen sich insbesondere in der Wissenschaftspraxis. Sie lassen sich als Ästhetisierung, Mediatisierung und Diversifizierung genauer fassen. Ästhetisierung meint hier die Aufwertung des Bildlichen und Audio-Visuellen in der Wissenschaftspraxis, die darin einerseits tragende Elemente der Erkenntnisproduktion sein können, andererseits aber nur als Supplement angehängt sind und als Faszinationsmittel dienen. Mediatisierung meint in diesem Zusammenhang Transformationen des kommunikativen Handelns in der Wissenschaftskultur, die wiederum Ästhetisierungsprozessen – im Sinne einer verstärkten Nutzung des Audio-Visuellen – Vorschub leisten können. Diversifizierung lässt sich in diesem Kontext als Ausprägung unterschiedlicher Präsentationsformen fassen. Diesen Transformationen steht ein Festhalten am Buch in der wissenschaftlichen Publikationstätigkeit gegenüber, insbesondere in den Geisteswissenschaften.

Auffällig ist in diesem Kontext, dass sich Fächer wie Medien-, Kultur- oder Filmwissenschaft in dieser Hinsicht kaum anders verhalten und die eigene Publikationspraxis selten in Bezug auf ihre Medialität reflektieren, wo doch Fragen der Ästhetisierung, Mediatisierung und Diversifizierung von Kultur zu ihrem Forschungsbereich zählen …

Michael Baute: Filmkommentierende Video-Essays in Seminaren produzieren. Ein Praxisreport

Michael Baute unterrichtet seit einigen Jahren an verschiedenen Hochschulen die Praxis des Video-Essays und hat dabei mit den Studierenden eine ganz eigene Form gefunden. Auf dem Vimeo-Kanal von Michael Baute finden sich ausgewählte Video-Essays, die von Studierenden in Seminaren produziert worden sind.

Robin Curtis: Affekt und Skizze: Videoessay und Rezeption

Das, was sich in den letzten Jahren im Rahmen von Internetzeitschriften wie [in]Transition (ein Projekt der amerikanischen Society of Cinema and Media Studies) oder Fandors Keyframe (eine Seite für Filmfans) als „Videoessay“ etabliert hat, nimmt ganz unterschiedliche Formen an. Dennoch wurden die möglichen Parameter des Formats relativ schnell festgelegt: mal mit, mal ohne Kommentar werden in der Regel Vergleiche anhand der Kontiguität der Montage plastisch gemacht. Somit werden Video-Essays als die (mehr oder weniger wissenschaftlich orientierten) Erben des Essay-Films verstanden.

In meinem Beitrag möchte ich diese Kontextualisierung von Video-Essays erweitern, indem ich die Dokumentation nicht nur von Struktur sondern auch von Affekt mit in diese Diskussion einbeziehe. Inwiefern sind Video-Essays mit der kunsthistorischen Praxis der Skizze verwandt, die für viele Generationen von Beobachtenden das Festhalten von ästhetischen Eigenschaften ermöglicht hat? Welche Rolle spielt die Rezeption von Filmen und anderen Bewegtbildern für Videoessays?

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